Spielregeln

Ein Artikel von Fr@nziskus

Auch die Professionals sind der Meinung, Golf sei ganz einfach:

"Die Spielregeln sind einfach. Zum Abschlag wird der Ball auf einen in den Boden gedrückten Kunststoffstift gesetzt, um den Rasen zu schonen und dem Ball eine berechenbare Flugbahn zu geben. Wer durch Los das Spiel beginnt, "hat die Ehre", so heißt es in der Spielersprache. Mit einer für jedes Loch festgesetzten Anzahl von Schlägen (Par) soll der Spieler den Ball ins Loch befördern."

Wie man merkt, gehört der Rasen mit zum Allerheiligsten eines Golfspielers. Man achte auf die Formulierung "in den Boden gedrückten...", also NICHT in die Wiese gestochenen Plastikpflock! Keinem Hälmchen darf etwas zustoßen! Nach dem Schlag ist der Boden wieder entsprechend herzurichten, wie wir später noch sehen werden.

Hier lernen wir auch den ersten Fachausdruck kennen. Ein Par. Ein Par nimmt also unterschiedliche Werte an, je nachdem, und bezeichnet die in einer bestimmten Situation notwendigen Schläge. Eine durchschnittliche Wirtshausschlägerei hat etwa Par 75. Eine Ohrfeige von Luc hat Par 1 und ist i.d. R. völlig ausreichend. Im Golf reichen Par 3 bis Par 5, sofern man sich auf das Schlagen des Balles beschränkt.

Jetzt kommen wir gleich zum Handicap. Das sind auch Schläge, nämlich die, die ein Spieler durchschnittlich mehr braucht, als minimal vorgegeben sind. Sowas ähnliches wie zusätzliche "Leben" (für die Gamer unter uns), die man Mitspielern gönnt, damit es ihnen auch noch Spaß macht, mit uns zu spielen. Wenn Eugen mit Kasparov Schach spielen würde, hätte er vermutlich Handicap 92. Er würde als 92 Könige bekommen. Oder so ähnlich.

Überraschend: "Es gibt Zählspiele und Lochspiele"

Wir sehen, daß krasse Unterschiede zum Schach bestehen, bei dem nicht gezählt wird und auch selten Löcher vorkommen.

" Je Loch gewinnt 1 Punkt, wer seinen Ball mit den wenigsten Schlägen versenken kann"

Halt! Versenken? Den Ball? Gibt es auch "Treffer" und "Versenkt"? Ähnlichkeiten zu einem Kreuzchenspiel tun sich auf. Wie verträgt sich das mit dem ehrwürdigen Namen der gesetzgebenden Golf-Körperschaft, dem Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews? Sogar die Mafia scheint sich Rat dort zu holen:

"Ein Spieler, der Zweifel hat, ob ein Schläger zulässig ist, sollte den Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews zu Rate ziehen."

Schauen wir uns erstmal den Aufbau eines Schlägers an. Wahrlich exotische Vorschriften gibt es da.

"Der Schläger muß aus Schaft und Kopf bestehen"

Ok, das kann man sich ja irgendwie vorstellen.

"Alle Teile des Schlägers müssen so zusammengebaut sein, daß der Schläger ein Ganzes bildet. "

Wer hätte das nun gedacht?

"Den Griff bilden der zum Halten des Schlägers bestimmte Teil des Schafts und das daran zur Erzielung eines festen Halts angebrachte Material."

Genauer kann man´s wirklich nicht ausdrücken. Die Herren wußten wohl zu formulieren. Tusch!

"Für einen Schläger, der in neuem Zustand mit Regel 4-1 in Einklang steht, gilt dies auch im Zustand der Abnutzung durch normalen Gebrauch."

Das finde ich schön. Warum kann man solch eine Regel nicht auch für Automobile einführen. Dem TÜV wären sämtliche Schrecken genommen!

Ich will euch ja nicht gleich überlasten. Sehr interessant wird es bei der Definition von Hindernissen und Hemmnissen, welche beweglich oder unbeweglich sein können. Hier schonmal ein Ausblick auf die nächste Runde:

"Hindernis ist jeglicher Bunker wie auch jegliches Wasserhindernis.

Ein Bunker ist ein Hindernis in der Form einer besonders hergerichteten, oft vertieften Bodenstelle, wo Grasnarbe oder Erdreich entfernt und durch Sand oder dergleichen ersetzt worden sind. Grasbewachsener Boden um einen oder in einem Bunker ist nicht Bestandteil des Bunkers. Ein Bunker erstreckt sich von den Grenzen senkrecht nach unten, aber nicht nach oben. Ein Ball ist im Bunker, wenn er darin liegt oder ihn mit irgendeinem Teil berührt.

Wasserhindernis ist jedes Meer, jeder See, Teich, Fluß, Graben, Abzugsgraben oder sonstige offene Wasserlauf (Wasserenthaltend oder nicht) und alles ähnliche. Grund und Wasser innerhalb der Grenzen eines Wasserhindernisses sind Teil desselben. Ein Wasserhindernis erstreckt sich von den Grenzen senkrecht nach oben und unten. Pfosten und Linien, die Grenzen eines Wasserhindernisses bezeichnen, liegen innerhalb des Hindernisses. Pfosten, die ein Wasserhindernis bezeichnen, sind Hemmnisse. Ein Ball ist im Wasserhindernis, wenn er darin liegt oder es mit irgendeinem Teil berührt."

Golfregeln sind etwas Wunderbares! Welche Klarheit der Worte, welche unmißverständliche Ausdrucksweise steckt in Sätzen wie

"Ein Ball, der nach den Regeln fallenzulassen ist, muß vom Spieler selbst fallengelassen werden. Der Spieler muß aufrecht stehen, mit ausgestrecktem Arm den Ball in Schulterhöhe halten und ihn fallenlassen. Wird der Ball von jemand anders oder auf andere Weise fallengelassen und dieser Fehler nicht nach Regel 20-6 berichtigt, so zieht sich der Spieler einen Strafschlag zu."

Man sollte meinen, daß jeder schonmal, wenn nicht einen Ball, so vielleicht einen Kollegen fallengelassen hat und weiß, wie das funktioniert. Aber wenn schon, dann sollte man jedes Mißverständnis ausschließen. Erweiterungen wären denkbar, z.B.

"Linkshänder dürfen einen Ball straflos auch mit der rechten Hand fallenlassen, Rechtshänder auch mit der linken. Der Handwechsel ist vom Spieler selbst, seinem Partner oder einer vom Spieler ermächtigten anderen Person vorzunehmen. Dabei darf der Ball NICHT fallengelassen werden."

Was mir dabei auch nicht gefällt, ist der Strafschlag. Ok, Männer gehen manchmal rauh miteinander um, aber für sowas wie falsches Fallenlassen eines Balls einen übergezogen zu bekommen, halte ich für übertrieben. Es ist auch nicht festgelegt, welches Holz oder Eisen zum Strafschlag benutzt wird. Beim Putter sind gewisse Überlebenschancen gegeben.

Dagegen muß man sich eine Regel wie

"Ein Ball, der den Ball im Spiel ersetzt, wird Ball im Spiel, sobald er fallengelassen oder hingelegt worden ist."

wirklich genüßlich auf der Zunge zergehen lassen. Ich vermute, er dient vornehmlich zur Überprüfung des Alkoholisierungsgrades eines Mitspielers, denn als ernstgemeintes Gesetz.

Ich war immer der Ansicht, bei Golf handle es sich um eine Art Sport, doch das Studium des offiziellen Regelwerkes nährt meinen Verdacht, daß es sich um einen reinen Jux einer Gruppe von Jurastudenten handelt, die sich bierselig im Formulieren von Gesetzestexten übten. Irgendjemand hat dann die Kritzeleien gefunden und ein Spiel draus gemacht. Sowas wie

"Wird sich ein Bewerber nach dem Spielen von falschem Ort dieser Tatsache bewußt und nimmt an, es könne sich um einen schwerwiegenden Verstoß handeln, so darf er erklären, vorausgesetzt er hat noch keinen Schlag vom nächsten Abschlag gespielt bzw, sofern es sich um das letzte Loch der Runde handelt, das Grün noch nicht verlassen, er werde das Loch mit einem zweiten, in Übereinstimmung mit den Regeln fallengelassenen oder hingelegten Ball zu Ende spielen. "

liest sich exakt wie die Rückseite meines letzten Mahnbescheids.

Es scheint auch lustige Abarten der Spielweise zu geben. Das Lochspiel könnte mein Interesse wecken, heißt es doch gleich schon zu Anfang:

"Im Lochspiel wird lochweise gespielt."
und
"Eine Partei ist »dormie«, wenn sie soviel Löcher auf ist, wie noch zu spielen sind."

Wer macht denn nun welches Loch auf? Gilt das nur für die Herrenbekleidung? Darf man seine Löcher auch selber machen? Und vielleicht gar seinen Ball nach obigen Regeln hineinfallenlassen? Für Asketen scheint es auch halbe Löcher zu geben. Vor allen Dingen aber droht hier nicht immer sofort die Prügelstrafe:

"Sofern nichts anderweitiges vorgesehen, ist die Strafe für Verstoß gegen eine Regel im Lochspiel Lochverlust."

Nun, wir alle kennen den Gesichtsverlust. Lochverlust scheint etwas ähnliches zu sein. Vieviele hat man zur Verfügung? Es beschleicht mich die Frage, ob Damen bei dieser Variante einen Vorteil haben. In den Regeln habe ich nichts darüber gefunden. Aber ich suche weiter!
 

 

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Letzte Änderung am 5. April 1999