Ein Artikel von Rosemarie Greifenstein

Die psychische komponente des golfs

Neben der Technik ist auch die innere Einstellung wichtig für den Erfolg. Der Psychologe Frank Fricke hat hier sechs Mental-Tips für Golfer zusammengestellt.


Viele Golfer kennen es: Das ungute Gefühl in der Magengegend schon am Vortag des Turniers oder Spiels. Stress also, der allein schon durch die Vorstellung, vielleicht zu versagen, erzeugt wird. Stress ist das Synonym für ein Hormonprogramm, das bei solchen Angst-Vorstellungen abläuft. Es löst eine Kaskade von Körperreaktionen aus.

Stress hatte vor Urzeiten die Funktion, den Menschen in kritischen Situationen für Kampf oder Flucht fit zu machen. Die Ausschüttung von Adrenalin ließ, und läßt heute noch, alles Blut in die Muskeln schießen, was beim Golfen zur Folge hat, daß diese übermäßig angespannt sind und schnell verkrampfen. Auch aus diesem Grund ist eine Dehnungs-gymnastik vor und nach dem Golfen dringend geboten. Der Mangel an Blut im Gehirn bedeutet für die Konzentration, daß das klare nüchterne Denken ausgeschaltet wird. All diese Reaktionen kann man in einem Golfspiel überhaupt nicht gebrauchen. Klares und überlegtes Handeln verträgt sich nicht mit hektischem oder wütendem "auf den Ball dreschen".

Mentaltraining wird in verschiedenen Sparten praktiziert: von Musikern vor dem Konzert, von Sportlern vor Wettkämpfen. Es ist der Versuch, psychische Barrieren zu überwinden und sich der Aufgabe positiv zu stellen. Im nachfolgenden einige Mental-Tips exklusiv für die Golfer unter den Algarve-Kontakt-Leserinnen und Leser (präsentiert von Rosemarie Greifenstein, e-mail: greifenstein@ecos.net - als Beitrag zum Thema GOLF):

Mental-Tip 1:

Mentales Training am Vortag:

Gehen Sie den zu bespielenden Platz vor Ihrem geistigen Auge ab. Spielen Sie mental alle Löcher perfekt. Visualisieren Sie jeden Abschlag, jeden Drive, jeden Chip, jeden Putt so, daß Sie Birdie, Par oder Bogey spielen. Erst wenn Sie sich alle Schläge perfekt vor Ihrem geistigen Auge zutrauen, haben Sie auch das notwendige Selbstver-trauen im Spiel! Es ist dann für Ihr Unterbewußtsein so, als ob Sie diese Ergebnisse in Wirklichkeit gespielt hätten! Wenn Sie bei dieser Übung merken, daß Sie sich gewisse Schläge nicht zutrauen oder die Möglichkeit von Bogey, Par oder Birdie anzweifeln, dann werfen Sie diese Gedanken in einen geistigen Mülleimer. Wiederholen Sie die Schläge so oft, bis Sie Ihnen mental perfekt gelingen.

Mental-Tip 2:

Beginnen Sie den Spieltag mit langsamen, fließenden Bewegungen:

Hektik vor dem Spiel, Zeitknappheit, hastiges Früh-stücken, eine rasante Autofahrt zum Golfplatz etc. sind meistens der Anfang vom Ende. Denn diese Hast und Hektik setzt sich nahtlos im Spiel fort. Langsame, fließende Bewegungen vor dem Spiel dagegen zielen in die richtige Richtung. Sie bewirken die gewünschte Lockerheit im ganzen Körper und im Spiel. Jeder kann es an sich selber ausprobieren: Stellt man eine Körperfunktion ruhig, wie zum Beispiel die Atmung, folgen alle anderen nach.

Mental-Tip 3:

Atemmeditation.

Eine einfache Atemmedi-tation hilft schnell. Sollte Sie einmal die Nervosität überwältigen, bringen Sie Ihren Körper mit einer einfachen Atemmeditation zur Ruhe: Atmen Sie ruhig und gelassen ein und denken Sie dabei an das Wort "ein". Atmen Sie langsam und gelassen aus und denken Sie dabei an das Wort "aus". Das beruhigt Ihre gesamten Körperfunktionen, wie zum Beispiel Herzschlag, Puls und Blutdruck. Die intensive Konzentration auf die Worte "Ein und Aus" lenkt Sie von der stressverursachenden Vorstel-lung ab.

Mental-Tip 4:

Freuen Sie sich auf den 1. Abschlag:

Weit verbreitet ist die unbegründete Angst vor dem 1. Abschlag. Viele Golfer stören ihre Konzentration selbst, indem sie beispielsweise denken: Was, wenn ich den Ball in die Wicken schlage? Solche Vorstellungen lösen stress-bedingte Verkrampfungen der Muskulatur aus. Vorstellungen steuern menschliches Verhalten, und man verschlägt wie vorher gedacht! Vielleicht ist es auch eine Hilfe zu wissen, daß die meisten zuschauenden Golfer doch nur denken: "Hoffentlich passiert mir das nicht". Aber was kann man tun? Suggerieren Sie sich selbst ein: "Ich freue mich auf den 1. Abschlag!" "Endlich kann ich zeigen, wie schön ich abschlage". Mit einer solchen Suggestions-formel programmieren Sie Ihr Unterbewußtsein zielorientiert. Gleichzeitig können Sie schon einen Sieg erringen- nämlich den über sich selbst und Ihre unbegründeten Ängste.

Mental-Tip 5:

Seien Sie da, wo Ihr Körper ist und spielen Sie ohne Zwischenbilanz:

Von vielen Golfern wissen wir, daß sie ihren Score fortlaufend, spätestens jedoch am 9. Loch, addieren. "Jetzt brauche ich nur noch ... Punkte" ist oft die logische Denkweise. Psychologisch hat sie jedoch einen Haken! Immer wieder ist zu beobachten, daß die Rechnerei aus der Konzentra-tionsschiene ablenkt. Liegt man am 9. Loch gut, kommen häufig Ängste: "Wieviel Punkte schaffe ich? Spiel ich heute runter?" Oder zu siegessicher und schludert. Sowohl das Denken an den vergangenen Score, als auch das Vorausdenken an den zukünf-tigen, haben im Spiel nichts zu suchen. "Sei da, wo Dein Körper ist, im Hier und Jetzt". Der Körper ist da, wo der nächste Schlag Sie fordert.

Übrigens: ein 100-Meter-Sprinter, der schon bei 90 Metern zu laufen nachläßt, wird nie gewinnen. Er muß mindestens 110 Meter volle Leistung bringen! Ähnliches gilt auch im Golfsport: Wer am 9. Loch schon glaubt, er hätte den Sieg schon in der Tasche, kann eine böse Überraschung erleben.

Mental-Tip 6:

Gönnen Sie sich den Sieg!

Von ihrer inneren Einstellung her fällt es manchen Menschen schwer herauszuragen, im Mittel-punkt zu stehen oder auf das Siegertreppchen zu steigen. Wenn man das von sich weiß, und es auch akzeptiert, ist das in Ordnung. Golfern, die eigentlich durch Siege herausragen wollen, aber trotz bester Ergebnisse auf der Übungsrunde immer wieder im Spiel/Turnier versagen, empfehlen wir folgende Suggestionsformel: "Ich gönne mir den Sieg" "Ich bin so gut, daß ich den Sieg verdiene!" So gewöhnen Sie Ihr Unterbewußtsein an das Siegen - denn auch Siegen will gelernt sein!

Frank Fricke ist Psychologe, Psychotherapeut und Mentaltrainer. Gemeinsam mit Dr. Klaus Biedermann betreibt er "BrainScore® & so - me - go® Golf-Training", das nicht nur auf Mallorca, Ibiza und St. Michael (Österreich) vertreten ist, sondern jetzt auch in Praia de Galé bei Albufeira.


 

 

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Letzte Änderung am 5. April 1999