
Soweit zu den Erwartungen unsererseits. Am 5. Februar geht's los, zunächst von Zürich nach Lissabon. Auf dem Flughafen der portugiesischen Hauptstadt dann die erste Überraschung: unserer Anschlussflug nach Madeira hat Verspätung. Und bei genauerem Betrachten der Anzeige offenbart sich weiteres Ungemach: der Flug vom Mittag (inzwischen haben wir 1800 Uhr) ist immer noch am Einsteigen, und der von 1500 hat auch Verspätung. Von anderen, herumstehenden Passagieren vernehmen wir das Gerücht, auf Madeira herrsche so schlechtes Wetter, dass nicht gelandet werden könne.
Nach längerem Warten geht's dann mit nur knapp zwei Stunden Verspätung doch noch los und wir landen in Funchal. Bereits aus dem Flugzeug ist zu erkennen, dass der Himmel seine Schleusen weit geöffnet hat. Am Flughafen werden wir dann wie versprochen abgeholt und ins Hotel in Caniço gebracht. Wir genehmigen uns einen Schlummertrunk und der Barmann gibt unseren Hoffnungen auf baldige Wetterbesserungen einen ersten, kleinen Knick. Es sei schon nicht normal, sie hätten nun schon länger solches Wetter, aber es werde schon noch... Schliesslich hätten wir noch Glück gehabt, wir sind mit einer der wenigen Maschinen geflogen, die überhaupt gelandet sind. Andere wurden nach Teneriffa umgeleitet oder gar wieder zurückgeschickt.
Wir gingen erst mal schlafen. Am nächsten Morgen dann die Enttäuschung, halb erwartet zwar, aber dennoch ein harter Schlag: Es schüttet als ob es gälte, den Meeresspiegel um ein paar Meter anzuheben. Wir holen die Töffs (BMW F650) beim Vermieter ab und fahren auf der kürzesten Strecke wieder ins Hotel. Den Rest des Tages verbringen wir im Restaurant, mit Kartenspielen und dem Trinken von Ersatzsonne aus einigen Flaschen portugiesischem Wein. Nichts zu machen - es schüttet und schüttet. Ein heftiges Gewitter bei uns zu Hause ist im Vergleich dazu nur ein Nieselregen. Im Laufe des Tages ist dann die freundliche Dame vom Vermieter unserer Motorräder aufgetaucht und hat sich sozusagen für das Wetter entschuldigt. Leider sei auch in den nächsten Tagen nicht mit einer durchgreifenden Änderung zu rechnen. Sie offerierte uns einen Mietwagen, für jeweils vier Personen einen Polo. Das hat uns dann schliesslich nichts gekostet, nur das Benzin. Und wohlverstanden: zusätzlich zum Töff, denn wir natürlich behalten haben.Wirklich eine äusserst grosszügige Geste!
Am nächsten Morgen dann zwar keine Sintflut
mehr, aber immer noch Regen. Damit das ganze nicht in einem 7-tägigen
Dauerbesäufnis endet, fassen wir den Entschluss, mit dem Polo einen
Ausflug nach Funchal, der Hauptstadt der Insel zu unternehmen.
Eine Besichtigung des Marktes bietet sich an,
schliesslich befindet sich der in einer gedeckten Halle. Letzteres hätte
sich zwar schnell mal erübrigt, denn bald schaute die Sonne hinter den
Wolken hervor. Kaum zu glauben! Der Markt ("Mercado dos Lavradores") ist
aber auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Sein Eingang ist mit schönen
blauen Kachelbildern geschmückt, den sogenannten Azulejos. Mit denen
sind hier auch viele Häuser verziert, bieten diese doch einen guten Schutz gegen
die allgegenwärtige, vom Meer verursachte Feuchtigkeit. Im Innern sind die Marktstände
über zwei Stockwerke verteilt, zudem hat der Markt einen schönen
Innenhof. Und es geht zu und her wie eben auf einem Markt in Südeuropa.
Aber die Sonne lockt uns schliesslich nach draussen in ein Strassenkaffee,
wo wir uns erholen und erfrischen. Dann hält uns aber nichts mehr:
nichts wie zurück ins Hotel und umsteigen auf die Zweiräder!
In den Bergen hängen zwar immer noch hässliche Regenwolken, aber
der Südküste entlang sieht's äusserst verlockend aus.
Wir fahren der Küste entlang über Funchal,
Câmera de Lobos aufs Cabo Girão. Die senkrecht ins Meer abfallende
Steilküste soll mit 589 m die höchste in Europa sein. Jedenfalls
ein eindrücklicher Aussichtspunkt. Mir fallen bereits hier die kleinen
und kleinsten Terrassenfelder auf, die überall und an den unzugänglichsten
Stellen zu sehen sind. Es soll einige geben, wo die Bauern sich mit
Seilen hinunterlassen, um sie bewirtschaften zu können. Auch unten
am Cabo Girão sind bebaute Parzellen zu sehen. Diese sind ebenfalls
nicht vom Land her zugänglich, nur mit dem Schiff übers Meer
kommt man dorthin. Nach einer längeren Pause steigen wir wieder auf unsere F650er und fahren
weiter der Küste entlang nach Ribeira Brava. Bis Câmera de Lobos
hat man den Eindruck in einer zusammenhängenden Stadt zu fahren. Nun
wird's aber spannender und es beginnt das, was wir auf Madeira zu finden
hoffte: kurvenreiche Strassen in einer bergigen Landschaft - und das bei
schönem Wetter und an Frühsommer gemahnenden Temperaturen. Bei
Ribeira Brava fahren wir in Richtung Encumeada-Pass und werden schnell
aus den Träumen geweckt. In den Bergen sitzen dicke und Regen verheissende
Wolken. So kehren wir um und geniessen die Sonne in einem Strassenkaffee
und genehmigen uns eine Pizza.
Auf dem Rückweg nach Caniço vermeiden wir die Fahrt durch Funchal und finden Wege weit oben über der Stadt. So werden die wenigen Kilometer zu einer abwechlungsreichen Angelegenheit. Das werden wir immer wieder erleben: hier ist keine Kilometerfresserei möglich. Aus 120 km wird schnell mal ein Tagestour, aber eben auch eine äusserst abwechlungsreiche und zudem fahrerisch anspruchsvolle Sache. Und es gibt so viel zu sehen!
Leider gab's am nächsten Tag wettermässig wieder einen Rückfall. Zwar nicht mehr in Form dieser extremen Niederschläge, aber es blieb doch stark bewölkt und wir mussten uns jeweils den Weg an den dunkelsten Wolken vorbei suchen. Und die Berge im Innern der Insel blieben uns verschlossen: Regen und Nebel machten Versuchen, dahin vorzudringen, schon nach kurzem ein Ende. Dabei wär's doch vor allem dort interessant.
Trotzdem haben wir einige Ausflüge unternommen,
wenn auch vorwiegend auf die Südküste und den Nordosten beschränkt.
Die Nordküste war ständigem Regen ausgesetzt. Und für Regenkombitests
müssen wir doch nicht nach Madeira fliegen. Zudem gab's dann Meldungen
über Strassensperrungen, durch Erdrutsche bedingt, welche sich in
Folge der andauernden und heftigen Niederschläge ergaben. Die täglichen
Niederschlagsmengen im Norden beliefen sich öfter im Rahmen von 20-40%
der für den ganzen Monate zu erwartenden Menge. Also blieb das Gebiet für uns weiterhin unzugänglich.
Und schliesslich, kurz bevor die Woche um war, dann doch noch der
Traumtag: Keine Wolke weit und breit am Himmel. Also nichts wie los, die
Pseudo-BMWs satteln und los zur grössten und längsten Tour der
Woche. Und wir haben es genossen! Endlich mal ungetrübten Fahrspass
und eine Aussicht auf die wichtigste Sehenswürdigkeit der Insel, nämlich
die eindrückliche Landschaft. Auf der uns bereits genügend bekannten
Strecke via Funchal fahren wir bis Ribeira Brava (was wohl wilder Fluss
heisst) und von dort auf die Boca da Encumeada. Eine Strecke wie ein Alpenpass.
Von Meereshöhe geht es auf kurviger Strasse auf gut 1000 m hinauf.
Auch hier in der Bergen fällt uns wieder auf, wie jeder noch so steile
Hang terrassiert ist. Es gibt eben hier keine ebene Fläche, so blieb
den Bewohnern nichts anderes übrig, als die Insel in vermutlich jahrhundertelanger
Arbeit so zu gestalten.
Nach einer Kaffepause auf der Passhöhe nahmen wir die Nordseite unter die Räder. Durch eine wilde Berglandschaft hinunter nach São Vicente. Am malerischen Ort fahren wir vorbei, wir wollen ja noch viel von der Insel sehen und es ist unser letzter Tag. Nach São Vicente fahren wir der Nordküste entlang bis Porto Moniz. Und erleben eine atemberaubende Streckenführung, die Strasse läuft über weite Abschnitte in der fast senkrechten Felswand am Meer.
Und trotz schönstem Wetter werden wir ab und zu nass, ganze Wasserfälle stürzen einfach
auf die Strasse. Nach dem vielen Regen nicht erstaunlich, aber auf Fotos und Ansichtskarten
sind diese öfter zu sehen, sie scheinen also keine einmalige Angelegenheit
zu sein. Aber sicherlich waren sie bei unserer Durchfahrt speziell ergiebig. Dort
wo keine ganz senkrechte Felswand ins Meer fällt, sind wiederum unzählige
kleine und kleinste Terrassen zu sehen. Hier werden in mühevoller
Arbeit Trauben für den Sercial-Wein angebaut. Um die Reben vor dem
ständigen und kräftigen Wind zu schützen, sind alle Parzellen
mit Hecken umgeben.
In Porto Moniz machen wir Mittagspause und lassen uns ein gutes Mittagessen schmecken, an der Sonne und mit Blick aufs Meer. Genau so habe ich mir doch diesen Aufenthalt vorgestellt. In Porto Moniz befindet sich übrigens der einzige Campingplatz der Insel. Den brauchen wir allerdings nicht, sondern fahren weiter, die Strasse windet sich jetzt in zahlreichen Spitzkehren in die Höhe. Die ganze Westseite der Insel verläuft sie in einiger Höhe über dem Meer. Auch die Siedlungen liegen erhöht, gegen das Meer hin fällt die Küste oft recht steil ab.
Wir nähern uns Calheta, dem Ort, den wir in frühreren
Touren bereits vom Osten her erreicht hatten, bevor uns die Regenwolken
zurückjagten. Also nehmen wir uns noch unbekannte Strassen unter die
Räder und fahren bergauf. Was sich als gute Wahl erweist, können
wir doch wiederum ungestört der Lust am Kurvenfahren frönen.
Auch wenn es ab und zu sehr holprig wird, die F650 steckt da erstaunlich
viel weg. Wir kommen über die Hochebene Paúl de Serra, der
einzigen ebenen Fläche auf der ganzen Insel. Sie umfasst 102 km2,
besteht aber weitgehend aus Bergsumpf, ist Weidegrund für viele Schafen und Ziegen
und erinnert ein wenig an schottisches Hochland. Es soll
mal den hirnrissigen Plan gegeben haben, hier den Flughafen der Insel zu
bauen. Zum Glück wurde diese Schwachsinnsidee begraben. So blieb diese
Landschaft erhalten, welche einen faszinierenden Kontrast zur ansonsten
üppigen Vegetation der Insel bietet.
Die Hochebene soll als eine Art riesiger Schwamm eine wichtige Rolle in der Wasserversorgung der Insel spielen. Hier haben nicht nur zahlreiche Bäche ihren Ursprung, auch viele der Levadas. So werden die vielen kleinen Bewässerungskanäle genannt, welche die Insel überziehen. Es sind weit über 2'000 km, und das auf der nicht ganz 60 km langen und maximal 22 km breiten Insel! Die Levadas sind auch bekannt als schöne Wanderrouten, viele Madeira-Touristen schwärmen davon. Das zu überprüfen haben wir allerdings nie geschafft.
Nach der Hochebene wenden wir uns wieder der Küste zu und geniessen ein letztes Mal die Fahrt zurück nach Caniço. Dann heisst es - schweren Herzens nach diesem Tag - die Töff abgegeben und packen. Am nächsten Morgen fliegen wir früh ab nach Lissabon, wo wir noch drei Tage verbringen werden, bei schönstem Frühlingswetter. Madeira wurde hingegen schon bei unserem Abflug wieder von den Wolken in Besitz genommen. Bei einem einwöchigen Aufenthalt besteht eben immer ein gewisses Risiko das man nicht optimales Wetter erwischt. Aber dieses Jahr schien das Klima in der Gegend speziell verrückt zu spielen. Aber wir haben gesehen, was Madeira bieten könnte und darum bin ich sicher: Ich komme irgendwann mal wieder!

Politisch gehört Madeira zu Portugal, ist aber seit der Revolution ("Nelkenrevolution") in Portugal von 1974 weitgehend autonom, mit eigener Regierung und einem eigenen Parlament. Nur noch für die Aussenpolitik ist das Mutterland zuständig. Die Bevölkerung zählt ca. 260'000 Einwohner, davon leben über 120'000 in Funchal, der Hauptstadt. Der Tourismus ist die wichtigste Industrie und Einnahmequelle der Insel - sieht man von den Unterstützungsgeldern der EU ab. Madeira dürfte zu den ältesten Tourismuszielen gehören, bereits im 18. Jahrhundert zog das milde Klima viele Europäer an, die es sich leisten konnten. Massentourismus dürfte das damals noch nicht gewesen sein. Heute kommen jährlich 500'000 Gäste auf die Insel. Traditionell stellten die Engländer den Hauptanteil, bis ins Jahr 1995 als ihre Zahl erstmal von derjenigen der deutschen Touristen übertroffen wurde. Der Tourismussektor wird weiterhin ausgebaut, die Regierung will jedoch nach wie vor den Individual-, nicht den Massentourismus. Neben dem Tourismus spielen noch landwirtschaftliche Exporte (Bananen und natürlich der Wein) eine gewisse Rolle. Industrie gibt es kaum, höchstens für den lokalen Absatz.
Heute wird Madeira mit dem Flugzeug von verschiedensten Flughäfen aus Europa angeflogen. Die Verkehrswege auf Madeira selbst wurden in den letzten 20 Jahren massiv ausgebaut. Während es früher nur wenige, enge und mit Steinen gepflasterte Strassen gab ist die Insel heute von einem recht guten Strassennetz überzogen. Die Topographie erlaubt es aber glücklicherweise nicht, jeden Weg zu einer breiten und geraden Strasse für jeden Trottel auszubauen. Das heisst, es herrschen für den Motorradfahrer ideale Verhältnisse: Kurve reiht sich an Kurve, bergrauf und bergab. Die Strassen sind nach wie vor schmal, oft können zwei PKW nicht einfach kreuzen, für uns natürlich kein Problem. Es muss auch ab und zu mit Strassensperrungen gerechnet werden, verursacht durch kleine und mittlere Felsabstürze, so dass man die geplante Route nicht immer durchziehen kann. Einzig um Funchal gibt es eine Autobahn, welche bei dem dortigen, täglichen Verkehrsaufkommen aber auch dringend nötig ist.
Badestrände gibt es auf Madeira nur ganz wenige, die Insel ist keine Badeinsel. Einzig auf der Nachbarinsel Porto Santo gibt's einen Sandstrand, der ist dafür gleich 9 km lang. Porto Santo kann mit einer Fähre oder dem Flugzeug von Funchal resp. Santa Cruz aus erreicht werden. Aber für Badeferien geht man nicht nach Madeira. Für Taucher soll der Atlantik um Madeira hingegen ein interessantes Revier sein, was ich aber nur von Hörensagen weiss.
Als Währung kommt die portugisische Währungseinheit, der Escudo, zum Einsatz (bis der Euro kommt, wenn er denn mal kommt). Gängige Kreditkarten werden fast überall akzeptiert, auch gibt es in Funchal Geldautomaten (ec, VISA, MC, etc.), so dass man sich das Schlangestehen für den Geldwechsel sparen kann.
Die Sprache der Einheimischen ist natürlich das Portugiesische. Viele Einheimische verstehen Englisch, teilweise auch Französisch und Deutsch. Wir hatten keinerlei Verständigungsprobleme, obwohl keiner von uns eine Ahnung von Portugiesisch hat. Schriftlich haben mir die Spanischkenntnisse geholfen, da sieht einiges ähnlich aus - sobald aber gesprochen wird, ists mit der Ähnlichkeit vorbei. In Restaurants gibt es fast immer mehrsprachige Speisekarten, auch in etwas abgelegeneren Orten sind wir offensichtlich nicht die ersten Fremden. Die halbe Million Besucher bewirkt offenbar schon einiges. Aber nie hatte ich das beklemmende Gefühl, das mich jeweils in den Hochburgen des Massentourismus überfällt (da wo überall "Wurstel con Craut" auf der Speisekarte steht). Die Tatsache der fehlenden Badestrände hat offenbar äusserst positive Nebenwirkungen.
Die unten angeführten Adressen entsprechen unserem Arrangement. Es gibt sicher auch andere Möglichkeiten, insbesondere das Angebot an Hotels aller Klassen und für verschieden grosse Kassen ist gross.
Auf folgenden Webseiten finden sich viele Hinweise:
http://www.madeira-web.com/PagesD/index.html
http://www.madeira-island.com/
http://www.madinfo.pt/
http://www.madinfo.pt/drturismo/turismo0.html
Magoscar Lda.
Car & Motorbike Rental
Apartado 46
9125 Canico
Madeira / Portugal
Phone : +351 91 934818 / 934786
Fax : +351 91 934819 / 934965
E-Mail: Magoscar.mad@mail.telepac.pt
WWW : http://www.magoscar.com
Language: German - English - Portuguese
Adresse: Caniço de Baixo, 9125 Caniço, Madeira, Portugal
Tel.: 00351 91 934316
Fax.: 00351 91 934483
Internet: http://www.edelweissbiketravel.com/german/home.htm
© Balz Hösli, April 1998
e-Mail: BalzHoesli@compuserve.com